GDL

GDL-Ortsgruppe Bebra



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Streit um Bahnstreiks

Ausfälle sind laut GDL unnötig

Pressemitteilung - 25.04.2023

2023-04-25
Scharfe Kritik aus Bebra an der Deutschen Bahn und der Gewerkschaftskonkurrenz EVG

Bebra – Nach dem zweiten groß angelegten Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in zwei Monaten meldet sich nun die Konkurrenz zu Wort: Die Bebraer Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kritisiert in einer Pressemitteilung sowohl die Bahn als auch die EVG scharf. Der Vorwurf: Die flächendeckenden Ausfälle im Schienenverkehr seien unnötig gewesen. Die Bahn leiste der Konkurrenzgewerkschaft bei den Streiks, die den Verkehr auf der Schiene streckenweise zum erliegen gebracht hatten, aber Schützenhilfe.

Die EVG hatte am vergangenen Freitag alle Mitarbeiter bei der Deutschen Bahn sowie in weiteren rund 50 Bus- und Bahnunternehmen zum Arbeitskampf aufgerufen. „Hilfst du mir, so helfe ich dir, so funktioniert die unheilige Allianz von DB-Vorstand und EVG“, schreibt die GDL aus Bebra. Wie bereits beim Warnstreik Ende März habe die Bahn „seiner Hausgewerkschaft unter die Arme gegriffen“. Denn ein flächendeckender Ausfall des Eisenbahnverkehrs müsse nicht sein, behauptet die Ortsgruppe. Das Aufrechterhalten eines Grundangebotes – wie es im in der Vergangenheit bei Arbeitskämpfen der GDL stets angeboten worden sei – wäre mit Mitarbeitern ohne gewerkschaftlichen Hintergrund und Mitgliedern der GDL möglich gewesen.

Die Lokführer-Gewerkschaft hatte sich Ende 2020 für alle Berufsgruppen geöffnet und die selbst auferlegte Beschränkung auf das Zugpersonal aufgeben. Derzeit gelte für die GDL allerdings Friedenspflicht. Im Wettstreit der Gewerkschaften geht es um Macht und Mitglieder: Mit der Einführung des Tarifeinheitsgesetzes bei der Bahn wurde ermittelt, welche Gewerkschaft in jedem der rund 300 Einzelbetriebe des bundeseigenen Konzerns mehr Mitarbeiter vertritt. Nur der Tarifvertrag der stärkeren Gewerkschaft kommt dort zur Anwendung. In den meisten Fällen ist das die EVG und nicht die GDL, die mit einer Klage gegen die Anwendung des Gesetzes gescheitert ist. Über die genauen Mitgliederzahlen in den Betrieben wird gestritten.

Mit dem „erneuten prinzipiellen und aus dem Bahntower angeordneten Ausfall des gesamten Eisenbahnverkehrs im Nah-, Fern- und Güterverkehr“ solle der Öffentlichkeit suggeriert werden, wie machtvoll die Interessenvertretung der EVG sei. „Circa 65 Prozent der in Rede stehenden 180 000 EVG-Mitgliedern sind Rentner und Pensionäre“, kritisiert die GDL. Zudem müssten noch die nicht streikfähigen Beamten unter den Mitgliedern abgezogen werden.

Die EVG habe bereits 2008 die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Mehdorn unterstützt und nutze ihren Einfluss, um eine aus Sicht der Ortsgruppe notwendige Zerschlagung des Bahnkonzerns mit der Aufteilung von Netz und Betrieb zu verhindern. Sie sei ein „treues Schoßhündchen“ des Konzerns.

Jüngst habe der Aufsichtsrat den 14-prozentigen Gehaltserhöhungen und Bonizahlungen für die obersten Führungskräfte und Vorstände zugestimmt. Das werde nun von der Bahn mit einer massiven Streikunterstützung honoriert.