GDL

GDL-Ortsgruppe Bodensee-Neckar



*** Unzureichende Internetverbindung - Offlineseite vom 30.04.2023 - 19:17   ? ***

Wir sind eine solidarische Gemeinschaft

''Warum sollen Fahrdienstleiter, Wagenmeister, Signaltechniker, Aufsichten — das ganze direkte Personal im Gesamtsystem Schiene — Mitglied in unserer GDL werden?"
Das haben wir schon mehrfach bewiesen. Die DB hat mit der EVG im vergangenen Jahr einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen: mit einem unterirdischen Entgeltplus von 1,5 Prozent über zwei Jahre, das ein reales Minus ergeben wird. Dabei haben die Mitarbeiter in den Zügen und der Infrastruktur selbst in der größten Corona-Pandemie hervorragende Arbeit geleistet und den Verkehr auf der Schiene sicher und zuverlässig aufrechterhalten. Wir haben bei dieser Unverschämtheit nicht mitgemacht. Wir haben übrigens die Stundenlöhne der Lokomotivführer nach jahrelangem Dahindümpeln während der EVG-Ab-schüsse von 13,42 im Jahr 2007 auf heute 22,05 Euro in der Endstufe erhöht. Das ist ein Plus von 61 Prozent und entspricht im Durchschnitt 4,7 Prozent im Jahr. Und wir bieten noch mehr als gute Tarifverträge. Wir Sind eine eingeschworeneGemeinschaft, die solidarisch zusammensteht. Das ist seit mehr als 150 Jahren unser Erfolgsrezept.

''Der Erfolg gibt Ihnen unbestritten recht. Dennoch haben Mitarbeiter in Corona-Zeiten Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren und der Sanierungstarifvertrag sichert Arbeitsplätze... "
... beim direkten Personal herrscht teils sogar akuter Mangel. Es geht überhaupt nicht darum, diese Arbeitsplätze zu sichern. Wir brauchen mehr davon. Wo zu viele an Bord sind, dass ist beim Overhead und bei den Führungskräften. Mir soll einer erklären, warum unsere Leute für die gut bezahlten Manager im Homeoffice bluten sollen. Sie tragen durch jahrzehntelanges Missmanagement die Verantwortung dafür, dass die DB so schlecht das teht. Corona hat das Fass nur zum Überlaufen gebracht. Die tatsächlichen Bilanzen waren schon vorher schlecht und die Schulden schon lange grenzwertig.

''Die DBstellt massiv ein. 25 000 Mitarbeiter waren es 2020. Gehört der Personalmangel damit der Vergangenheit an? "
Da sehen Sie, wie unnötig die Sicherung der Arbeitsplätze ist. Hier wird mit der Angst der Beschäftigten gespielt. Der Personalmangel ist noch lange nicht behoben, denn in den kommenden zehn Jahren geht die Hälfte des direkten Personals bei der DB in den Ruhestand. Gerade in den Werkstätten und im Netz sind die Entgelt- und Arbeitsbedingungen noch stark verbesserungswürdig. Das hindert beispielsweise Beschäftigte von anderen Unternehmen, wie dem momentan gebeutelten Flugbereich, bei der DB anzufangen. Wir können noch lange nicht mit einem ausgeglichenen Personalbestand rechnen.

''Niemand zweifelt daran, dass die GDL Lokomotivführer und Zugbegleiter, Gastronomen, Disponenten, Instruktoren und Trainer stark, unbestechlich, erfolgreich vertritt. Hat die GDL die Kompetenz und die Kraft, um die neuen Berufsgruppen genauso zu vertreten wie das Zugpersonal? "
Ein klares Ja. Wir haben schon Kontakt mit erfahrenen Kollegen aufgenommen, die wissen, wo unsere neuen Kollegen der Schuh drückt und so nachhaltig Kompetenz aufgebaut. Spezielle Tarifkommissionen sorgen dafür, dass auch unsere neuen Kollegen maßgeschneiderte Tarifverträge erhalten. Beispielsweise hat unser DB-Cargo-Betriebsrat C6 für die Kollegen, die Arbeitsschutzkleidung tragen müssen, auf die Arbeitszeit anrechenbare Umkleide-, Wasch- und Wege-zeiten durchgesetzt. In EVG-geführten Betriebsräten sucht man solche Regelungen vergeblich. Diese schon lange überfällige Regelung wollen wir tarifvertraglich in allen Unternehmen verankern.

''Das Tarifeinheitsgesetz besagt, dass nur noch der Tarifvertrag der stärksten Gewerkschaft im Betrieb gelten soll. Bei den DB-Wettbewerbsbahnen hat die GDL fast überall die Mehrheit. Die DB behauptet nun, dass es in rund 70 der gut 300 DB-Betrieben eine Tarifkollision gäbe. Das heißt: Neben unserer starken Vertretung sei auch die Einkommens-Verringerungs-Gesellschaft anwesend. Gelten unsere Tarifverträge hier nicht mehr?"
Zunächst: Es liegt noch gar keine Tarifkollision vor, da wir noch keinen neuen Tarifvertrag abgeschlossen haben. Zu Ihrer Frage: ein eindeutiges Ja. Wir Sind der festen Überzeugung, dass die Arbeitnehmer auch künftig Anspruch auf die Anwendung aller im Betrieb gültigen Tarifverträge haben. Dies ist durch die Arbeitsverträge garantiert. Im Übrigen berücksichtigen die EVG-Tarif-verträge die Interessen des direkten Personals nicht „ernsthaft und wirksam", wie es das Tarifvertragsgesetz fordert.

''Was passiert jedoch, wenn die GDL in einem Betrieb nicht die Mehrheit der Mitglieder hat?"
Hier gelten die schwachen EVG-Tarifverträge dann mit allen Konsequenzen. So entfallen beispielsweise der Schichtrasterplan zur verlässlichen Dienstplangestaltung und die quartalsweise Zahlung der Überzeitzulage. Das Sind gravierende Einschnitte, aber wir können nur die Kollegen vertreten, die das auch wollen. Mit einer gelben Gewerkschaft wollen die Arbeitgeber billige Tarifverträge schließen. Wir gehören nicht dazu. Ohne unsere Stärke schließt die DB nichts mit uns ab.

''Im März stehen Tarifverhandlungen an. Das direkte Personal war über seinen ohnehin anstrengenden unregelmäßigen Schichtdienst, oft unter Personalmangel, darüber hinaus auch noch mit der Corona-Pandemie belastet. Müssen sich die Kollegen in Betrieben ohne GDL-Mehrheit wirklich mit dem EVG-Sanierungstarifvertrag abspeisen lassen?"
Unsere Kollegen sind mehr wert als 1,5 Prozent in zwei Jahren, insbesondere wenn sich die Führungskräfte mit den Boni weiter die Taschen füllen. Die Tarifverhandlungen beginnen im März, Anfang März haben wir unsere Forderungen überreicht. Wir Sind eine solidarische Gemeinschaft. Das ist die beste Voraussetzung, um anspruchsvolle Ziele zu erreichen. Nicht zuletzt haben wir in den vergangenen Monaten mehr als 2 000 neue Mitglieder begrüßen dürfen. Das Entscheidende: Unsere GDL ist mutig genug, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen.

''Die GDL setzt sich dafür ein, dass die DB in Zukunft leistungsfähiger und somit erfolgreicher wird, denn nur dann sind gute Arbeitsplätze für das direkte Personal auch langfristig sicher. Wie steht es heute um den DB-Konzern?"
Die DB hat Milliarden fernab der Schiene und im Ausland versenkt (siehe Arriva), während das Herzstück Schieneninfrastrukturjahrzehntelang als Stiefkind behandelt wurde. Viele Gleise und Brücken sind marode, es fehlen Rangier-bahnhöfe und Anschlussstellen. Die teuren McKinseys haben die Infrastruktur kaputtgespart zusammen mit dem Management, das keine Ahnung hat, wie Eisenbahn funktioniert — geduldet oder sogar unterstützt von der Hausgewerkschaft.

''Was muss unbedingt verbessert werden?"
Die DB muss sich erstens auf ihr Kerngeschäft Schiene in Deutschland konzentrieren und die Infrastruktur mit vielen Milliarden und „Eisenbahnerverstand" mit einem ausgewogenen Deutschlandtakt inklusive Güterverkehr auf Vordermann bringen. Damit die Milliarden nicht sonst wo im Konzern versickern, muss die gesamte Infrastruktur zu einer vom Eigentümer Bund direkt gesteuerten GmbH zusammengefasst werden. Die Technik, die oftmals noch aus den 50er-Jahren stammt, muss mit der Kraft des Herkules in der Gegenwart ankommen. Nach den hehren Zielen der DB soll die Durchfahrt gleich bis ins Jahr 2030 erfolgen. Mit dieser langen Frist und Blendgranaten wie dem autonomen Fahren versucht sich die DB-Führung selbst aus der Verantwortung nehmen.
Zweitens müssen die internationalen Aktivitäten aufhören. Die DB hat in Shanghai oder den Arabischen Emiraten nichts verloren. Drittens muss der Overhead reduziert werden. Alle Arbeitsplätze von Mitarbeitern, die nicht wertschöpfend tätig sind, gehören auf den Prüfstand. Hier können Milliarden an Personal- und Sachkosten eingespart werden, die DB wettbewerbsfähiger machen: die Voraussetzung für dauerhaft sichere Arbeitsplätze unserer Kollegen.

''Zuletzt: Für Ihren Einsatzfür unsere Mitglieder bläst Ihnen oft ein heftiger Sturm der Entrüstung entgegen, sei es von einer schwachen EVG, die Angst hat, noch mehr Mitglieder zu verlieren, oder von Arbeitgebern, die die verantwortungsvolle Arbeit unserer Kollegen nicht wertschätzen. Wie schaffen Sie es, trotzdem die Interessen unserer Kollegen so standhaft zu vertreten, auch langfristig mit Ihrer Kandidatur in der Generalversammlung 2022?"
Das schaffe ich nur, weil ich von standhaften Mitgliedern umgeben bin, die für die Sache durchs Feuer gehen und wissen, dass die GDL die Richtige ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte
Gerda Seibert